Das Netz, das die Welt bedeutet: Business Angels begleiten das Logentheater

Schauspieler und Gründer: Johannes Brandrup
Vom elsässischen Logentheater in der Berliner Torstraße hat nur die Hintertreppe den zweiten Weltkrieg überstanden. Wo einst die leichte Muse zuhause war, kann man heute in einem Imbiss Falafel essen. Doch der Name des Theaters lebt im Internet fort: Schauspieler Johannes Brandrup und Kulturmanager Wigbert Böll haben hier zusammen mit einem kleinen Team von Bühnenenthusiasten das erste Onlinetheater der Welt gegründet. Bei der Etablierung dieser ambitionierten Geschäftsidee werden sie von Business Angel Bernd Monitor begleitet.
Obwohl Geschäftsführer Böll die letzten zwölf Jahre in New York selbst Unternehmen aus der Technologie- und Konsumgüterindustrie beriet, nimmt er die Hilfe der Business Angels gerne entgegen. „Herr Monitor bringt den ungetrübten Blick von Außen mit. Da ich diesmal selbst Gründer bin, habe ich meine Beraterqualitäten eingebüßt”, sagt Böll. Außerdem verfüge er kaum noch über geschäftliche Beziehungen in Deutschland, auf die er zurückgreifen könne. Böll hofft deshalb auch auf Kontakte und Zugang zu den Netzwerken der Berliner Engel. Im Business Angel Club haben sich erfahrene Geschäftsleute und Manager organisiert, die ehrenamtlich sowohl bei Gründungen, als auch bei Unternehmenskrisen oder Nachfolgeproblemen beraten. Sie stellen ihren Schützlingen neben Know-how auch ihr umfangreiches Kontaktnetzwerk zur Verfügung. Doch an Kontakten mangelt es Bölls Co-Geschäftsführer, dem aus Film und Fernsehen bekannten Schauspieler Johannes Brandrup, wahrlich nicht. Allerdings zählen zu seinem Netzwerk weniger Kaufleute als vor allem Künstler und Kreative aus der ganzen Welt, darunter Größen wie der Gitarrist Jean-Paul Bourelly. Gemeinsam bilden sie das theatralische Rückgrat des Logentheaters, denn Brandrups Kreativteam generiert den Großteil der Inhalte. Web 2.0 bedeutet eben nicht nur eine technische Weiterentwicklung, sondern vor allem eine inhaltliche; „Content is King“ lautet die Siegesparole. „Das Internet hat mich in seinen Bann geschlagen“, schwärmt Brandrup, den die Tageszeitung „Die Welt“ den ersten digitalen Intendanten nennt, „es befreit uns von den Zwängen herkömmlicher Produktionsbedingungen.“
Zielgruppe sind Menschen mit Internetaffinität, die sich für Literatur, Musik und anspruchsvolle Unterhaltung jeder Art interessieren. Den chronisch unsteten Internetsurfern will das Logentheater eine „Kunst der kurzen Einheit“ offerieren: Klassische und avantgardistische Kulturhäppchen für den kleinen Bildungshunger zwischendurch. „Man darf uns im Hintergrund laufen lassen, während man E-Mails beantwortet“, sagt Brandrup, „oder zwischendurch ein Fenster klicken und das Lieblingsgedicht anhören.“ Dabei werden alle Möglichkeiten des Mediums ausgenutzt, um den Zuschauer in den kreativen Prozesses einzubeziehen, etwa via Live-Chats und Fangruppen. In der zweiten Ausbaustufe werden die Videoschnipsel auch zum Download auf mobile Endgeräte wie Telefone oder Organizer angeboten. Noch sind die Inhalte kostenlos abrufbar, später sollen über kostenpflichtige Mitgliedschaften und Sponsoren Gewinne erwirtschaftet werden. „Natürlich wollen wir auch Profit damit machen“, stellt Böll klar, „wir produzieren Kultur und sind ganz klar gewinnorientiert.“ Business Angel Bernd Monitor kennt die Herausforderungen der Kreativwirtschaft, denn der gelernte Musiker hat selbst in diesem Segment gearbeitet – der ideale Sparringspartner für die Macher des Logentheaters. „Ich denke, dass die Kunst die Wirtschaft speist. Sie ist Lieferant für Ideen und für Weiterentwicklungen“, sagt Monitor. Gerade in Berlin profitiere die Wirtschaft von der breiten Kunstbasis und den vielen Künstlern, die zwischen den verschiedenen Zweigen wechselten und sich gegenseitig fruchtbar machten. „und doch ist es eine Herausforderung, das Projekt Logentheater so zu streamlinen, dass es investorenkompatibel wird“, fügt er hinzu.
