VDI nachrichten: Krise trifft auch junge Hightech-Firmen

g.horn am 16.Februar 2010 | abgelegt unter news

Venture Capital: Finanzkrise und Rezession haben auf dem deutschen Wagniskapitalmarkt Spuren hinterlassen: Venture Capital Gesellschaften investierten 2009 deutlich weniger Mittel in junge Hightech-Firmen. Eine schnelle Markterholung ist für 2010 nicht in Sicht, so das aktuelle Venture Capital Panel der VDI nachrichten und der Münchener Beratungsgesellschaft FHP. VDI nachrichten, München, 29. 1. 10, ps

Für junge kapitalhungrige Technologiefirmen war 2009 ein rabenschwarzes Jahr: Institutionelle Wagnisfinanzierer zeigten sich knauserig wie seit Jahren nicht mehr. Im Vergleich zu 2008 sank das investierte Kapital um rund 40 % auf 334 Mio. €. Auch die Zahl der Beteiligungen ging von 493 auf 466 zurück. Zu diesem Ergebnis kommt das Venture Capital Panel, eine gemeinsame Initiative der Consultingfirma Fleischhauer, Hoyer & Partner und der VDI nachrichten.

Auch der Ausblick auf das laufende Jahr fällt verhalten aus: Nur 43 % der privaten Venture Capital Gesellschaften geben an, 2010 mehr zu investieren als 2009. Gut zwei Drittel der befragten Wagnisfinanzierer wollen sich in diesem Jahr verstärkt auf die Weiterentwicklung ihrer Unternehmen sowie den Verkauf von Beteiligungen konzentrieren.

Die besten Aussichten auf eine Finanzierung dürften Cleantech- und Medizintechnik-Unternehmen haben. 50 % bzw. 37 % der Investoren wollen in diesen Branchen ihr Engagement ausbauen. Schwer wird es hingegen für Start-ups aus den Bereichen Halbleiter und Elektrotechnik. Rund 40 % der befragten Panelteilnehmer erklären, dass sie sich in diesen Branchen künftig mit Investitionen zurückhalten werden.

Wenig optimistisch stimmen auch die Zahlen zum Schlussquartal des vergangenen Jahres. Von Oktober bis Dezember 2009 meldeten die 38 im Panel erfassten Venture Capital Gesellschaften 129 Investments mit einem Volumen von 100 Mio. €. Zum Vorquartal und zum Vorjahresquartal entspricht dies einem Rückgang der Beteiligungen von 9 % bzw. 13 %. Auf Basis des investierten Kapitals ergibt sich gegenüber dem Vorquartal nur ein leichter Rückgang von 1 %, während der Vergleich zum Vorjahresquartal mit 38 % deutlicher ausfällt.

Aktivste Gesellschaft war die IBB Beteiligungsgesellschaft aus Berlin mit neun Investments, jedoch nur einem investierten Kapital von rund 2 Mio. €. Das mit Abstand meiste Kapital investierte einmal mehr Wellington Partners mit 12 Mio. €.

Öffentliche Wagnisfinanzierer, wie die KfW, der High-Tech Gründerfonds, BayernKapital und die NRW.BANK, waren bei 64 Finanzierungsrunden mit an Bord. Sie stehen damit für knapp die Hälfte aller Beteiligungen, die im vierten Quartal gemeldet wurden.

Die meisten Investments (24 im Wert von 22 Mio. €) entfielen auf Medizintechnik-Unternehmen. Mehr Kapital floss mit gut 23 Mio. € nur in Biotech-Firmen. Dabei handelte es sich jedoch vorwiegend um Nachfinanzierungen. Neben dem Life-Science-Sektor zog erneut die Cleantech-Branche einen Großteil des Kapitals an: In elf Unternehmen wurden gut 15 Mio. € gepumpt.

Auch im Schlussquartal erwies sich Bayern als Magnet für Venture Capital: An rund 21 % aller Investments waren Start-ups aus dem Freistaat beteiligt. Der Abstand zu den anderen Bundesländern nimmt jedoch ab: In NRW wurden immerhin 17 % der Beteiligungen abgeschlossen, während auf Berliner Firmen 12 % der Investments entfielen. Der Anteil der Auslandsinvestitionen lag mit 8 % auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Der (erfolgreiche) Verkauf von Beteiligungen ist nach wie vor kaum möglich: Erstmals, seit Bestehen des Venture Capital Panels, wurden im vierten Quartal keine Trade Sales gemeldet. Lediglich zweimal gelang es, Anteile von börsennotierten Unternehmen zu verkaufen. Börsengänge selbst waren nicht möglich. Der Anteil der Abschreibungen lag mit 50 % abermals auf hohem Niveau und nur leicht unter dem Wert des Vorquartals (58 %). ps

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