Angel Investors – Die guten, die schlechten und die ganz bösen
Wir bedanken uns bei Dr. Earl R. Smith II für die freundliche Genehmigung , nachfolgenden Beitrag aus dem Amerikanischen zu übersetzen und auf unserer Website zu veröffentlichen (die Red.).
Dr. Earl R. Smith II
DrSmith@Dr-Smith.com
www.Dr-Smith.com
Gründer neigen dazu, dem Geld hinterherzulaufen – egal, woher es fliesst. Bei dem Druck eine Finanzierung als Voraussetzung für den Unternehmensaufbau sicherzustellen, kann Wesentliches aus dem Blickfeld geraten. Meistens sind die zwischen Gründern und Business Angels (BA) entstehenden Partnerschaften konstruktiv und nutzbringend, jedoch können sie sich in einigen wenigen Fällen auch destruktiv entwickeln. Firmen, die durchaus erfolgversprechend sind, werden durch Kapitalgeber ausgebremst, die das Potential des Projektes beschneiden und damit zum Scheitern beitragen.
Schauen Sie über Ihr Bankkonto hinaus
In der „Hitze des (finanziellen) Gefechts“ wird es oft vergessen:  Aber die Sünden der Unterlassung, die man auf der Jagd nach Investoren begeht, können einen zehnfach wieder einholen und jede Chance auf Erfolg zerstören. Das Problem wird durch die unglaubliche Spanne an Erfahrungen und Interessen, die BA mitbringen, verursacht. Man muss die grundlegende Motivation eines Angels verstehen: was bringt ihn dazu, sich als BA zu agieren? Man muss auch verstehen, dass nicht Kapitalbeteiligung gleich Kapitalbeteiligung ist. Manche hilft, erfolgreich zu sein, andere wiederum erweisen sich als giftige Pille, die jede Chance auf den Erfolg, den man sich ausmalte, schmälern. Hier kommen die heiligen Kühe, die sie schlachten müssen:
- Business Angel erwarten Rendite: Wie kann man das in Zweifel ziehen? Man könnte denken, dass die Renditeerwartung immer Hauptantrieb eines Investors ist. Aber – wie sie im weiteren Verlauf lesen werden – stimmt das nicht immer! Ich kenne Business Angels, die schlichtweg gelangweilt sind und Ausschau halten nach etwas, womit sie sich beschäftigen können. Andere sind frustrierte Möchtegern-CEOs. Einige sind tatsächlich nur auf Rendite aus, für andere jedoch ist diese sekundär. Halten sie die beiden Gruppen auseinander! Hören Sie nicht allein darauf, was potentielle Investoren sagen; was sie tun ist relevant!
- …sie haben Geld; das bedeutet, sie müssen clever sein: Das ist ein weiterer Trugschluss. Einige der dümmsten und selbstzerstörerischsten Menschen, die ich je getroffen habe, sind wohlhabend. Ich habe nur einen sehr geringen Zusammenhang zwischen Reichtum und Intelligenz und einen noch geringeren zwischen Reichtum und Verstand feststellen können. Ein Großteil der zerstörerischen Hybris begründet sich durch ein dickes Bankkonto. Investoren spielen eine wichtige Rolle bei Start-ups, aber Affektiertheit, Omnipotenz oder Allwissenheit können das Selbstverständnis eines Investors verzerren. Kluge Investoren bringen sich sehr professionell und auf konstruktive Weise ein. Die müssen sie finden, denn sie sind diejenigen, mit denen Sie höchstwahrscheinlich gut arbeiten können.
- …sie waren erfolgreiche Geschäftsleute, also wissen sie auch, wie wir erfolgreich sein können: Erfolg in der Vergangenheit bedeutet nicht automatisch Erfolg in der Zukunft. Überdurchschnittlicher Erfolg kann durchaus kontraproduktiv sein, wenn Business Angels mit Start-ups zusammen arbeiten. Ich kenne einen Investor, der seine Jungunternehmer regelmäßig mit Geschichten darüber „erfreut“ hat, wie er sein Unternehmen führte. Natürlich erwirtschaftete dieses Unternehmen zu seiner Zeit jährlich mehr als 100 Mio. €. Die Jungunternehmer versuchten daraufhin, diesem Erfolg nachzueifern und unternahmen voreilige Schritte. Das Ergebnis waren vergeudete Ressourcen und eine funktionsuntüchtige Unternehmenskultur. Vergangene Geschäftserfolge als Unternehmer sind kein Indikator für eine zukünftige erfolgreiche Arbeit als Business Angels. Erinnern wir uns: Wir suchen einen Investor, keinen „Möchtegern-CEO“!
- …sie werden enge, persönliche Freunde und Berater werden: Keine gute Idee; Investoren sollten in der Zusammenarbeit mit dem Management kritische Fragen stellen und keine Konflikte scheuen. Wenn Sie einen Freund brauchen, legen Sie sich einen Hund zu.
Die Schlechten und ganz Bösen
Man kann nicht pauschal über Angel-Investoren schreiben, weil alle individuell und erstaunlich vielfältig sind. Ich habe wirklich viele getroffen und jeder ist doch irgendwie immer anders. Erschwerend kommt dazu, dass sich jeder „Business Angel“ nennen kann. Die einzige wirkliche Zugangsvoraussetzung ist, dass man Geld auf der hohen Kante hat. Das ist alles, was man braucht, um sich Business Angel zu nennen. Man braucht keine Ausbildung, keine Kurse oder Zertifikate. Nur ein Bankkonto und die Entscheidung zu investieren sind erforderlich, um sich den Titel “Business Angel” zu geben. Vorsicht bei den folgenden:
- der „Möchtegern-CEO“: Ich habe Investoren getroffen, die sich gezielt schwache oder unerfahrene CEOs aussuchen, um mit ihnen zu arbeiten. Ihr Ziel ist es, die Firma im Hintergrund zu führen. Diese Investoren reden in ihr operatives Geschäft hinein und werden Sie drängen, ressourcenbindende Entscheidungen zu treffen. Größtenteils sind das Unternehmer, die selbst ein Geschäft aufgebaut und erfolgreich verkauft haben. Nun haben sie aber keinen Bezug mehr zu der Gründerkultur, der Tatkraft und Leidenschaft, die für den Aufbau eines Start-ups notwendig ist.  Sie leben in der Spätphasenkultur  ihrer Firma. Sie instrumentalisieren den CEO zu einem ausführenden Assistenten und versuchen, die Gesellschaft in Stellvertretung zu führen. Die meisten der Gründungen  mit dieser Investorkultur bleiben sehr klein. Sie haben meist sehr komplexe Prognosen in Excel-Spreadsheets und erreichen nur ein Bruchteil der Ziele. Bleiben Sie dem „Möchtegernn-CEO“ fern; er ist für sie ein risikoreicher Investor.
- der verrückte, reiche Onkel: Dieser Typ Business Angel ist wahrscheinlich der gefährlichste, weil er das Management schont. Sie sind meist pensioniert und leben komfortabel. Ihre Lebensmission in diesem Stadium ist: „Der jüngeren Generation etwas zurückgeben zu wollen“. Man kann diesen Typus daran erkennen, dass keine konkreten Anforderungen an die Leistungen der Jungunternehmer gestellt und nur schwammige Erwartungen formuliert werden. Sie können auf Unternehmer sehr verführerisch wirken, aber die Beziehung zum Angel hat eine dunkle Seite. Ohne klare Leistungsmaßstäbe entwickelt sich in dem Unternehmen eine übermäßige Lockerheit. Das fühlt sich aber nur solange gut an, bis das Geld ausgeht. Ein Schlüsselindikator für diesen Typ Angel ist die Einstellung, dass die anfänglich relativ geringen Beträge der Beteiligungen so niedrig sind, dass sie nicht wirklich darauf achten. Die Ausgaben werden nicht gewissenhaft genug kontrolliert und Diskussionen nicht konsequent geführt bis zu dem Punkt wo das Geld verbraucht und „das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Als Unternehmer sollten Sie einen Investor wählen, der Sie nicht immer mit Samthandschuhen anfasst, sondern klare Leistungsanforderungen und präzise Rollendefinitionen festlegt. Wenn sie sich anders entscheiden werden Sie sich auf eine Reise ins Nirgendwo mit einem verrückten, reichen Onkel begeben. Es wird eine angenehme Fahrt sein, aber am Ende werden Sie irgendwo im Nirgendwo aus dem Bus geschmissen.
- Die Gänseschar: Erinnern Sie sich an die Geschichte von dem Pferd, dass von einem Gremium “per Beschluss” zum Kamel wird? So eine Gänseschar ist versessen auf diese Art von Engagements. Die Investitionen, die sie tätigen, sind sehr oft zufällig ausgewählt und werden zudem unstrukturiert beaufsichtigt. Das Problem kommt dadurch zustande, dass die Gruppe selbst schon sehr unstrukturiert organisiert ist. Jedes einzelne Mitglied hat ein grundlegend anderes Verständnis von der Rolle des Investors. Diese Konstellation kann dazu führen, dass das Management der Firma selbst Gleichgültigkeit entwickelt und am Ende völlig untergeht. Letztendlich gipfeln solche Engagements in puren Aktionismus des Managements, ohne eine übergeordnete strategische Vision. Investitionen sollten aus diesem Grund auf klaren und präzisen Abmachungen basieren und detailliert schriftlich festgehalten werden.
- Die im Tiefen fischen: Sie werden einige Investoren kennenlernen, die hauptsächlich an Ihrem geistigen Eigentum interessiert sind. Sie durchforsten gezielt die Gründerszene nach schwachen Teams, die jedoch gute Ideen haben. Meist bestehen sie darauf, dass ihr Kapital zur Entwicklung der Technologie verwendet wird, ohne Umsätze zu generieren. Sobald das Geld ausgeht, bedauern sie gegenüber dem Management, dass das Unternehmen aufgelöst werden muss und teilen den Jungunternehmern mit, dass als Entschädigung für ihre getätigte Investition das geistige Eigentum der Unternehmer auf den Investor übertragen wird.
- Die Makler: Makler installieren sich selbst auf zentraler Positionen im Unternehmen, ohne eine höhere Summe ihres eigenen Geldes unter Risiko einzubringen. Sie bringen aber Geld von Drittinvestoren mit, die aber meist nicht viel über das Geschäft oder das Managementteam wissen. In einem Fall sammelte so ein Makler eine Summe von 1 Mio. $ zusammen ohne selbst auch nur 1$ investiert zu haben. Zudem war er leitendes Mitglied der Geschäftsführung. Besondere Vorsicht ist angeraten bei Maklern, die investieren könnten, es aber nicht tun. Das wird sehr ungemütlich, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden. Gegenseitige Beschuldigungen können am Ende die Beziehungen zwischen den Investoren dominieren. Die Chance auf eine Anschlussfinanzierung ist unter diesen Bedingungen gleich null.
Die Guten
Gute Business Angels zeichnen sich durch eine hoch professionelle Herangehensweise an den Prozess und ihre Portfolio-Unternehmen aus. Sie fokussieren sich auf Geschäftsbereiche, in denen sie Erfahrung haben. Seien sie kritisch bei  Angels, deren Portfolio-Firmen zusammengewürfelt wirken. Gute Kapitalgeber verzichten auf einen eigenen aktiven Posten in der Geschäftsführung und bestehen stattdessen darauf, dass ein unabhängiges, professionelles Vorstandsmitglied ernannt wird. Hüten Sie sich vor Investoren, die die Investition in Ihre Firma als eine Gelegenheit betrachten, ihre Reputation zu steigern, weil sie einen weiteren Vorstandsposten suchen. Hier nun einige positive Kriterien, nach denen sie Ausschau halten sollten:
- Erfolg erzeugt Erfolg: Es gibt Business Angels, die haben den Dreh raus – sie helfen den von ihnen betreuten Firmen zu gedeihen; während andere Angels sie zum Scheitern  bringen bzw. in einer Stagnation halten. Ich weiß von einem Angel, der sich auf kleine Deals spezialisiert und die „Fähigkeit“ entwickelt hat, sie klein zu halten. Andere bringen ihre Firmen zum Wachsen und Gedeihen. Es ist von Vorteil, die Erfolgsgeschichte des Angels genau zu prüfen. Wenden Sie sich lieber an die Erfolgreichen, selbst wenn die Konditionen weniger großzügig sind.
- Der Beteiligungsvertrag: Bevor Geld fliesst, sollte ein detaillierter Beteiligungsvertrag vereinbart werden. Der Vertrag sollte genau spezifizieren, wer welche Rolle übernimmt und wer wofür Verantwortung trägt.  Das Management sollte leistungsabhängig entlohnt werden. Weiterhin werden darin die Grundregeln für Folgevestitionen festgelegt. Für gute Business Angels wird das eine Beteiligungsvoraussetzung sein. Die schlechten verlangen einfach ein Term Sheet und schreiben dann einen Scheck. Denken Sie daran: ohne jeden Plan, ohne Zielsetzung steigen Sie in den Bus nach nirgendwo. Sehen Sie den Beteiligungsvertrag als einen strategischen Plan für die gemeinsame Zukunft von sich und ihres Investors.
- Strategische Vereinbarungen zu Aufgaben- und Verantwortungsbereichen: Gute Business Angels werden darauf bestehen, dass die Aufgaben und die Verantwortung jeder Partei von Anfang an klar sind. Diese Regelungen werden im Beteiligungsvertrag festgeschrieben und geben genau an, welchen Handlungsspielraum jeder in der Zukunft hat. Obwohl solch ein Vertrag die anfänglichen Verhandlungen kompliziert, wird sie sehr hilfreich sein,  wenn Planungen nicht eintreffen und eine Neuausrichtung notwendig wird.
- Mittelverwendung: Ich habe Kapitalanleger ziemlich große Schecks ausstellen sehen, ohne dass es einen Finanzplan gab. Sie können sich vorstellen, was dann geschah. Unternehmer freuen sich anfangs über die Freiheit, das Geld einfach nutzen und ausgeben zu können, wie es ihnen gefällt. Meistens führt das dazu, dass das Kapital verschwendet und für Dinge genutzt wird, die nicht direkt mit dem Unternehmenserfolg verbunden sind. Eine Firma, gab viel Geld für neue Laptops und Handys mit teuren Tarifen aus. Sie ersetzten damit durchaus noch verwendbare Geräte. Ein anderer CEO zahlte sich weiter sein Gehalt, als die Unternehmensergebnisse schon weit unter den Erfolgsprognosen lagen, war aber nicht mehr in der Lage, die Lieferanten zu bezahlen. Resultat war ein Gerichtsprozess – was meist dazu führt, dass man die Firma schließen kann.  Für einen guten Investor ist ein Finanzplan und ein Controlling Voraussetzung.
- Beharren auf Leistungskennzahlen: als CEO achten Sie auf die Leistung jedes einzelnen Team-Mitglieds. Das gehört einfach zu gutem Management. Ihre Investoren sollten das genau so sehen. Anfangs mag es leichter scheinen, mit Angels zu arbeiten, die das sehr locker nehmen – aber optimal ist es nicht. Ich spreche dabei nicht nur von Excel-Spreadsheets – das muss viel detaillierter sein. Gute Leistungskennzahlen berichten ausführlich über die Verantwortungsbereiche jedes Team-Mitglieds und darüber, wie dessen Leistung gemessen werden soll. Jede Position, vom CEO bis zum Empfangschef, sollte eine konkrete Job-Beschreibung mit beigefügten Kennzahlen haben. Über die Kennzahlen sollte hinlänglich berichtet werden, um eine Beurteilung der Leistungen vornehmen zu können. Leistung sollte der entscheidende Treiber bei der Entlohnung und Erfolgsbeteiligung am Unternehmen sein. Leistungskennzahlen sind ein Zeichen für eine professionelle und produktive Organisation. Start-ups, die das berücksichtigen, haben viel höhere Erfolgaussichten.
- Konzentrieren Sie sich auf Steuerungsbelange und die Aufsichtsführung: „Wer passt auf?“ – Wenn diese Frage mit „Wir passen auf uns selber auf.“ beantwortet wird, ist das ein rotes Tuch für Investoren. Für eine gewisse Zeit fühlt sich das vielleicht gut an, ohne Kontrolle zu sein, aber auf längere Zeit gesehen sind Fehler garantiert und Gelegenheiten werden nicht genutzt. Der Vorstand hat nicht nur sicher zu stellen, dass die Interessen der Investoren gewahrt werden, sondern er spielt außerdem eine wichtige Rolle bei der Festlegung der Unternehmensstrukturen. Dazu gehört auch, den strategischen Planungsprozess zu beaufsichtigen,  Koordinierung und Kontrollen zu etablieren und für den Schutz und die Vermehrung des Unternehmenswertes zu sorgen. Das treuhänderische Verhältnis zu den Shareholdern ist ein wichtiger Teil der Unternehmensstruktur. Ohne wirksame Führungs- und Kontrollstrukturen ist das Management weitgehend wirkungslos und das Kapital könnte genauso gut im Glücksspiel angelegt werden.
Denken Sie daran
Eine BA-Investition ist die Beziehung, die maßgeblich darüber bestimmt, wie erfolgreich Sie sein werden. Wie Sie diese Beziehung aufbauen, ist ein Test dafür, wie  Sie den Erfolg Ihres Unternehmens und Ihres Teams aufbauen. Wenn sie den einfachsten Weg nehmen, mit einem wenig focussierten Investor,  dann werden Ihre Erfolgsaussichten drastisch sinken. BA-Investoren – die guten – bringen viel mehr als nur Geld mit in das Unternehmen ein. Die guten haben ihren Beteiligungsunternehmen bereits zu Erfolg verholfen und werden es bei Ihnen ebenfalls schaffen.
© Dr. Earl R. Smith II
(Übersetzung: Grit Horn)
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Dr. Smith is a proven senior executive, successful entrepreneur, published author and public speaker. He serves on boards of directors and advisory boards or as a strategic adviser to CEOs. Dr. Smith specializes in turnaround management, strategic planning, leadership development and executive coaching. He also works as an executive and/or life coach in the areas of personal growth and spirituality. He is the author of Amazing Pace: Turbo-charged Business Development – a book that shows how Advisory Boards can dramatically increase revenue. Dr. Smith is also the author of Dream Walk: Parables for the Living – a book of Raven Tales and exploration.

