Business Angel Erhard Reiber im Interview
Was hat Sie gereizt, ein Business Angel zu werden?
Durch meine Arbeit für Merck habe ich weltweit Kontakte in der Pharma- und Chemiebranche. Start-ups aus dem Bereich Biotech können davon profitieren. Denn junge Unternehmer haben leider oft viel zu wenig internationale Erfahrung. Und natürlich bin ich auch daran interessiert, mich an geeigneten Projekten mit Investitionen zu beteiligen.
Wie bewerten Sie die „Biotech-Szene in Berlin? Welche Bereiche bzw. Unternehmen sind für Sie interessant?
Leider hat sich die „echte“ Biotechnologie in Berlin noch nicht so entwickelt, wie erwartet. Bis 2000 gab es eine Hightechphase mit Unternehmen u. a. aus dem Bereich Protein- und Gentechnologie, die sich als nicht zukunftsfähig erwiesen haben. Interessant sind jetzt aber einige Unternehmen aus Randgebieten, wie z. B. Medimatik, einem Anbieter von Systemlösungen für Diabetiker. Dort bin ich als Berater involviert und konnte auch den BFB BeteiligungsFonds Brandenburg motivieren, sich zu beteiligen.
Was können deutsche Unternehmer von Japanern lernen?
Gründer in Deutschland sehen oft nur ihr Produkt und verkennen den Markt. Asiaten dagegen sind sehr viel kunden- und marktorientierter. Sie betreiben entweder massive Marktforschung oder sie agieren nach der „Trial and Error“-Methode. Es wird ständig etwas Neues ausprobiert und was nicht funktioniert, wird umgehend geändert.
Sie gelten als sehr kritisch und streng bei der Bewertung von neuen Geschäftsideen. Worauf achten Sie bei Unternehmensgründern besonders?
- Ich schaue mir zuerst das Produkt im internationalen Umfeld an. Denn viele Gründer scheitern, weil sie den Wettbewerb nicht kennen.
- Dann betrachte ich den Markt unter dem Aspekt, ob er das Produkt wirklich aufnehmen will. Viele Gründer verwechseln die eigene Begeisterung für ihre Idee mit dem, was tatsächlich gewollt und gebraucht wird.
- Und schließlich sehe ich mir sehr gründlich die Persönlichkeit der Gründer an. Sie müssen leidenswillig sein und bereit sein, Opfer für ihre Arbeit zu bringen. Sie müssen zuhören können, viele Beratungen bei den Business Angels scheitern leider genau daran.
Was ist Ihr wichtigster Tipp für Unternehmensgründer?
Macht eine ehrliche SWOT-Analyse! Diese wird viel zu selten oder viel zu wenig ernsthaft von den Gründern ausgearbeitet. In vielen Präsentationen werden uns nur die Stärken und Chancen vorgestellt. Kaum jemand geht ausführlich auf die Schwächen und Bedrohungen ein. Und es fehlen meist auch die Strategien, wie die Schwächen ausgeglichen werden. Wer nur über das Licht spricht, ist geblendet – und spätestens beim Matching werden wir Business Angels ihn auch auf die Schattenseiten ansprechen.

Erhard Reiber
Business Angels Club Berlin e.V.- Gründungsmitglied
Ab 1959 internationale Karriere bei Merck; ab 1974 Marketingleiter und später Geschäftsführer der Merck Japan Ltd. Tokio; 1986 Generaldirektor Merck AG Zug/ Schweiz; in Verbindung mit General Manager als Regionalleiter Asien-Ozeanien mit Verantwortung für alle Gesellschaften der Merck Gruppe in dieser Region in Tokio, Japan.
