Warum sind Sie Business Angel geworden?
Ende 2007 war ich Gast bei einigen Matchings (damals noch Screenings) und schon beim 2. Termin war ich so begeistert, dass ich sofort ein Projekt unterstützt habe.
Was hatte Ihnen an diesem Projekt gefallen?
Die Geschäftsidee, denn 2007 kamen zu uns nur wenige Gründer mit neuen Ideen für das Internet. Das ist jetzt sicherlich anders. Damals wie heute gefallen mir aber besonders die Geschäftsmodelle, die einen Cash Flow ohne Werbeeinnahmen generieren können und zudem skalierbar sind. Leider ist beides immer noch selten.
Welche Geschäftsideen interessieren Sie am meisten?
IT-Unternehmen sind mein Steckenpferd, d.h. mich interessiert alles rund um Web 2.0., Social Media – speziell Many2Many und Longtail; Mobile SAAS, Mobile Commerce oder Gaming.
Wie können GründerInnen Sie beim Matching begeistern?
Ich muss spüren können, dass die Matching-Teilnehmer für ihre Idee brennen. Mein Motto: Mach das, was Dir Spaß macht – aber mach es besser als andere!
Und was stört Sie?
Gründer, die sich zu wenig Gedanken über ihren Wettbewerb und die eigenen Schwächen machen. Und die, die ihre Ideen nicht verständlich präsentieren können.
Wie sieht für Sie denn dann die perfekte Präsentation aus?
Wenn das Businessmodell in 3 Folien und maximal 5 Minuten vorgestellt werden kann. Und wenn dabei auch klar wird, womit das Geld verdient werden soll. Die meisten stellen zwar die Kosten ausführlich dar, vernachlässigen aber die Ertragsseite.
Welche Fehler machen viele Gründer in der Planung der Erträge?
Ein Großteil setzt die Preise viel zu gering an. Die Gründer können nicht einschätzen, welchen Nutzen ihr Produkt beim Kunden stiftet. Nach meiner Einschätzung kennen fast 90% der Gründer ihre Kunden gar nicht richtig. Darum wissen sie auch nicht, was ihre Leistung wert ist.
Sie haben viel Erfahrung im Aufbau und Coaching von Teams. Worauf achten Sie bei Gründerteams?
Wichtig ist, dass das Team nicht zu groß ist. Die Teammitglieder sollten unterschiedliche Qualifikationen haben, die sich ergänzen. Und wenn ein Bereich nicht abgedeckt wird, dann sollte dies auch offen den Business Angels gesagt werden. Denn nur dann können wir dabei helfen, das Team zu optimieren. Fast immer fehlt übrigens die Kompetenz im Vertrieb und im Personalmanagement, denn das lernen die meisten Gründer leider nicht an der Uni.
Und was macht Unternehmer dauerhaft erfolgreich?
Die Startidee sollte ständig verifiziert und dem Markt bzw. Trends angepasst werden. Dazu gehört, bei aller Begeisterung für seine Geschäftsidee, ein gewisses Maß an Demut gegenüber dem Kunden und die Fähigkeit, gut zuhören zu können. Und ein Unternehmer muss Rückschläge verkraften, daraus lernen können sowie sich gut selbst organisieren – „Tagesplan ist wichtiger als Businessplan“.

Axel Fries:
Geb. 1959, Wirtschaftsingenieur TU Berlin und MBA Cambridge University; berufliche Stationen: Price Waterhouse, Microsoft, Sun Microsystems – Vertriebsleiter u. a. bei EDS AG, PSI AG; jetzt tätig als „Executive Sales Coach“ und Inhaber der YouCue GmbH, einem Unternehmen für Affiliate Marketing.