Vorsicht Glosse: In Irrgärten, zwischen Fata Morganas und Scheinriesen
Eine Betrachtung der sieben Mythen der Gründerförderung in Deutschland
Mythos 1: Wenn Du Geld brauchst, dann geh zur Bank.
Falsch. Wenn Du Dir die Bilanzen der Banken anschaust und die daraus erkennbaren Eigenkapitalquoten, dann siehst Du, dass Banken selber gar kein Geld haben. Das ist auch der Grund, warum Banken sich gegenseitig kein Geld mehr leihen.
Unternehmertum bedeutet das bewusste Eingehen von wirtschaftlichen Risiken. Dazu sind Banken nur bereit, wenn ihnen jemand das Risiko abnimmt. Die Banken finanzieren gar nicht, sie sind nur Erfüllungsgehilfen für die staatlichen Förderungen. Entweder durch die staatlichen Bürgschaftsbanken oder die KfW, für die die Banken Förderungen „durchreichen“. Das wird die Banken aber nicht davon abhalten, sich als Samariter aufzuspielen und Dir gleichzeitig ihre sinnfreien Finanz- und Versicherungsprodukte aufschwatzen zu wollen.
Mythos 2: Venture Capital finanziert erfolgversprechende Konzepte.
VCs investieren nach zwei Kriterien: 1) sie finanzieren solange die gleichen Geschäftsmodelle bis der Markt total ausgelutscht ist 2) sie finanzieren das, was die VC Kollegen auch finanzieren. Was einmal finanziert wurde, wird dann auf 5 Jahre weiterfinanziert, egal wie irrelevant das Geschäftsmodell mittlerweile ist. So braucht das Investment nicht abgeschrieben werden und die VC-Investoren bleiben in der Illusion, dass ihr Fonds erfolgreich ist. Nach 5 Jahren kommt dann das dicke Ende, aber da arbeiten die VC-Manager schon wo anders. Was VCs gerne machen, sind Termsheets und Vertragsverhandlungen. Die werden aber irgendwann abgesagt, weil es signifikante Erkenntnisse gibt, dass das geplante Investment in das Startup doch nicht erfolgreich sein wird, z.B. weil eine Fruchtfliege von links unten nach rechts oben über den Vertragsentwurf gelaufen ist.
Mythos 3: Andere erfolgreiche Gründer werden Dir helfen
Das ist ungefähr so, als wenn du als Lottospieler zu Lottogewinnern gehst, damit sie Dir beibringen Lotto zu spielen. Die erklären Dir dann, wie Du den Lottoschein richtig ausfüllst. Es ist lange wissenschaftlich belegt, dass die Kriterien für Erfolg sich nicht isolieren lassen (Deswegen erscheinen jede Woche fünf neue Bücher, die behaupten das doch zu können). Was sich dagegen sehr klar isolieren lässt, sind die Kriterien für Misserfolg. Gehe also besser zu gescheiterten Gründern und höre ihnen aufmerksam zu. Du wirst dort mehr lernen. Manche Erfolge sind allerdings eigentlich Misserfolge. So gilt Columbus als erfolgreicher Entrepreneur, weil er Amerika entdeckt hat. Er wollte aber eigentlich den Seeweg nach Indien entdecken, damit ist er jedoch aber gescheitert.
Mythos 4: Gründerberatungen bringen Dich auf den richtigen Weg
Du wirst auf Berater stoßen, die sich Coach nennen, weil sie mangels qualifizierter Ausbildung den Unterschied gar nicht kennen. Diese Berater beraten dich genau so lange, wie ihre Beratungsstunden durch die öffentliche Hand bezahlt werden, danach musst Du Kohle rüberschieben oder man lasst Dich fallen wie eine heiße Kartoffel. Es sind meistens Leute, die Dir Fahrradfahren beibringen sollen, aber selber nie Fahrrad gefahren sind. Aber zugegeben, viele haben Studien über Fahrradfahren gelesen.
Mythos 5: Es gibt öffentliche Förderorganisationen für Dich
In den öffentlichen Förderorganisationen bist Du vor allem eins, Unruheherd und Störfaktor. Deine Gesprächspartner sind Menschen, die an eine kalkulierbare Zukunft und eine sichere Rente glauben. Und Du kommst nun an, und willst diese dort herrschende Wüstenrot-Kultur durch Gründerkultur ersetzen. Da sind die Konflikte vorprogrammiert. Aber die Förderorganisationen haben das Problem erkannt, um die Abläufe störungsfreier zu gestalten, wird man die Gründer in Zukunft schulen, wie sie sich gegenüber der Förderinstitution zu verhalten haben.
Mythos 6: Gründerwettbewerbe helfen Dir erfolgreich zu werden
Gründerwettbewerbe haben vor allem ein Ziel: Den Veranstalter der Wettbewerbe in ein gutes Licht zu rücken. Du als Gründer bist nur Beiwerk. Das erkennst Du an den Redezeiten auf den Preisverleihungen. Drei Viertel der Zeit reden Initiatoren und Sponsoren, ein Viertel der Zeit darfst Du Dich bei den Initiatoren bedanken. Für den Geldpreis kannst Du immerhin Deiner Mannschaft ein Mittagessen bezahlen.
Mythos 7: Wenn Dir keiner hilft, dann helfen Dir die Business Angels
Die Business Angels Netzwerke in Deutschland sind so eine Art vom Vegetarierverband betriebene Steakhauskette. Wenn Du dort Dein innovatives Konzept zur Wurstherstellung vorstellst, werden einige der Zuhörer schon in der Präsentation besinnungslos werden, denn sie können kein Blut sehen. Bei denen, die dich finanzieren wollen, solltest Du vor dem ersten Treffen vorsorglich einen Holzpflock und Knoblauch besorgen.
Aber das Ganze hat auch gute Seiten, letztendlich ist es eine verdammt harte Schule. Die Gründer, die das durchlaufen und trotzdem noch authentisch sind, sind die Besten. Und die sind dann richtig erfolgreich. Wie z.B. die Freie-Universität – Studentin Antje Daniellson. Die hatte nach ihrem Studium genug von der deutschen Heissgetränke-Entrepreneurship und ging dann nach USA und gründete im Jahr 2000 Zipcar: www.zipcar.com. Zipcar geht dieses Jahr in USA an die Börse.
